Für viele Schutzsuchende führen unfaire Visa-Politiken und geschlossene Grenzen dazu, dass sie gefährliche Fluchtrouten über Land und Meer nehmen müssen – oft unter lebensbedrohlichen Bedingungen. Das Mittelmeer ist dabei eine der tödlichsten Routen der Welt, mit zehntausenden Toten und Vermissten. In diesem Beitrag lassen wir persönliche Geschichten und Stimmen von den Grenzen zu Wort kommen, die einen Einblick in die Erinnerungsarbeit für tote und vermisste Menschen geben.
Seit 2014 werden durch sogenannten CommemorActions an die Menschen erinnert, die auf der Suche nach Schutz in der EU ums Leben gekommen oder verschwunden sind.
Was ist eine CommemorAction?Eine CommemorAction verbindet Gedenken (commemorate) und Handeln (action). Sie ehrt die Menschen, die auf der Suche nach Bewegungsfreiheit gestorben sind oder verschwunden sind, und erhebt gleichzeitig Forderungen nach Wahrheit, Gerechtigkeit und politischer Veränderung. CommemorActions entstanden aus der Zusammenarbeit von Angehörigen und Freund*innen der Verschwundenen mit Aktivistinnen, die ihre Geschichten dokumentieren und ihre Forderungen sichtbar machen. Sie sind zugleich Gedenkveranstaltungen und Proteste: Politische Botschaften treffen auf künstlerische Darbietungen, Trauer auf Widerstand. Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen Angehörige gemeinsam mit Unterstützer*innen öffentlich trauern, ihre Geschichten erzählen und Druck auf die Verantwortlichen ausüben können.
Wie findet eine CommemorAction statt?Am 6. Februar 2014 versuchten mehr als 200 Menschen, von der marokkanischen Küste aus die spanische Enklave Ceuta schwimmend zu erreichen. Sie wurden von Grenzpolizist*innen mit Tränengas und Gummigeschossen angegriffen und daran gehindert, ans Land zu gelangen. Mindestens 15 Menschen starben vor Tarajal, viele weitere werden bis heute vermisst. Die Überlebenden wurden illegal nach Marokko zurückgedrängt. Seit diesem Massaker treffen sich jedes Jahr am 6. Februar Angehörige, Überlebende, Künstler*innen und Aktivist*innen zu CommemorActions – nicht nur in Spanien und Marokko, sondern in ganz Europa und Afrika. Dieser Tag nennt sich heute der „Globale Tag des Kampfes gegen das Regime des Todes an den Grenzen“.
Weitere Informationen im FAQ Flucht.
Diese Videos sind Teil der Ausstellung „Voices from the border“ von borderline-europe (externer Link, öffnet neues Fenster). Die Ausstellung ist eine Sammlung von 15 kurzen Porträts von Menschen, die an den Außengrenzen Europas festgehalten werden, und von Bewohnern dieser Grenzregionen.
Beitrag von Lina Urbat und Alina Kopp. Online Redaktion von Alina Kopp.
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