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März
2026

Stop Faking Green! - Doing Climate Justice

Die Klimakrise gefährdet die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen – vor allem von Menschen im Globalen Süden, obwohl diese am wenigsten zur globalen Erwärmung beigetragen haben. Um die Klima- und Nahrungsmittelkrise zu überwinden braucht es einen radikalen gesellschaftlichen Umbau. Doch wie kann man ein System überwinden, das so tief in unser Leben eingeschrieben ist? Es prägt die Art, wie wir denken, es steckt in unserem Essen, in den Straßen, auf denen wie gehen, aber auch in den vermeintlichen Antworten auf die Krise. Denn wenn es um Klimaschutz und Nahrungsmittelsicherheit geht, werden zu oft Scheinlösungen vorgeschlagen, die mehr den Unternehmen und Ländern des Globalen Nordens dienen, als wirklich zur Lösung der Krisen beizutragen. Dieser Beitrag zeigt Beispiele für Scheinlösungen auf die Krisen, aber auch für echte Lösungen, die zeigen welche Art gesellschaftlichen Umbaus es braucht und wie er funktionieren kann.

Wir wissen, dass es ohne einen radikalen gesellschaftlichen Umbau nicht geht: weg von der kapitalistischen Profitgier hin zu geringeren Emissionen, dem Erhalt von Biodiversität, fairen Arbeitsbedingungen, Ernährungssouveränität und einem guten Leben für alle innerhalb der planetaren Grenzen. Doch die von Unternehmen und Staaten des Globalen Nordens verfolgten Scheinlösungen bezwecken das Gegenteil. Ressourcen und Menschen werden ausgebeutet, koloniale Strukturen und kapitalistische Machtgefälle fortgeschrieben: Der Lithium- und Nickelabbau für Elektromobilität verschmutzt die Umwelt und sorgt für Wasserknappheit, in der EU verbotene Pestizide werden exportiert und vergiften Mensch und Natur anderswo, Programme wie REDD+ schützen Wälder für den globalen Kohlenstoffhandel, aber zerstören die Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort. Solche Politikansätze lenken von den dringend nötigen Klimamaßnahmen ab: Maßnahmen, die nicht dem Erhalt des Status quo dienen, sondern einen strukturellen Wandel voranbringen.

Die drei Dimensionen der Scheinlösungen

FOSSILES ERBE 

Viele Maßnahmen gegen die Klima- und Nahrungsmittelkrise schreiben koloniale Abhängigkeiten und kapitalistische Logiken fort. Auch beim Abbau von Mineralien für erneuerbare Energien werden Machtungleichheiten reproduziert. Den betroffenen Gemeinschaften im Globalen Süden wird das Recht vorenthalten, über ihre eigenen Ressourcen und ein angemessenes Entwicklungsmodell zu entscheiden. Gesellschaften im Globalen Norden dagegen können ihre schädlichen Lebens- und Produktionsweisen aufrechterhalten.

REALITÄT VOR ORT 

Statt eine bessere Zukunft zu ermöglichen, gehen viele Scheinlösungen mit Menschenrechtsverletzung, Umweltverschmutzung, Gesundheitsgefährdung, Vertreibung und der Kriminalisierung lokaler Lebensweisen einher. Die sozialen und ökologischen Kosten des Umbaus, die mit dem Abbau von Ressourcen, dem Einsatz von Pestiziden oder Wasserprivatisierung verbunden sind, tragen vor allem lokale und benachteiligte Gruppen, während die Gewinne meist an internationale Konzerne gehen.

DASSELBE IN GRÜN 

Aus Krisen Profit zu schlagen und dies als grüne Lösung zu verkaufen, ist ein neuer Trick des kapitalistischen Systems. Während neue grüne Wachstumsmärkte entstehen, kommen die ökologischen Kipppunkte näher und näher. Umstrittene Technologien, riskante Energieprojekte wie Atomkraft oder exklusive individuelle Lösungen (z.B. Elektro-SUVs) sind nur Augenwischerei. Sie lenken uns von gerechteren und nachhaltigeren Lösungen ab, die wir brauchen, um die Klima und Nahrungsmittelkrise zu bekämpfen. 

Mehr zum Zusammenhang von Kapitalismus, Klimakrise und grünen Scheinlösungen hier: Kann grüner Kapitalismus die Klimakrise aufhalten?

Für die meisten von uns fühlt sich das kapitalistische System ausweglos an. Und doch gibt es überall auf der Welt Beispiele für Widerstand und Alternativen. Die Karte zeigt, dass wir das Leben über Profit stellen müssen. Lösungen müssen selbstbestimmt und unabhängig entwickelt werden und koloniale und patriarchale Strukturen durchbrechen. Die Karte zeigt Projekte und Lebensweisen, die Biodiversität schützen, planetare Grenzen respektieren und Ungleichheit abbauen. Die hier abgebildeten Beispiele stehen stellvertretend für Millionen von Menschen, die sich organisieren, um sozial gerechte und ökologisch tragfähige Lösungen für die vielfachen Krisen zu finden, denen wir gegenüberstehen. Es ist an der Zeit, die verschiedenen Kämpfe und Lösungsansätze zusammenzubringen und in einem größeren Maßstab umzusetzen. Wir haben nur diesen einen Planeten!

Wie das gute Leben aussehen muss

KOLLEKTIV

Die Macht über Ressourcen muss neu verteilt werden und darf nicht länger nur den Interessen einiger weniger dienen. Entscheidungen über Ressourcenverteilung müssen in öffentlicher Hand liegen und im Einklang mit demokratischen Prinzipien und den planetaren Grenzen erfolgen. Gemeinschaftliche Entscheidungsmacht fördert gute Arbeitsbedingungen, die Sichtbarkeit von Sorgearbeit und einen selbstbestimmten Umgang mit Ressourcen und Produktionsmitteln.

INTERNATIONALISTISCH

Wir müssen von Kolonialismus und Kapitalismus hervor gebrachte historische Ungerechtigkeiten überwinden und durchsetzen, dass Diejenigen, die die Verantwortung für Umweltzerstörung und ungleiche Entwicklung tragen, zur Rechenschaft gezogen werden. Das kann bedeuten, Staaten und Bevölkerungsgruppen Schulden zu erlassen, soziale und umweltbezogene Ungerechtigkeiten vor Gericht zu bringen und sich gegen unfaire Handelsabkommen zu wehren.

ÖKOLOGISCH

Wir müssen dringend Maßnahmen ergreifen, um das Überleben der Menschen auf der Erde zu sichern. Es ist höchste Zeit, die Nahrungsmittelproduktion auf ökologische Methoden umzustellen, Biodiversität zu schützen, unsere Industrie sozial und ökologisch gerecht umzubauen, neue Mobilitätskonzepte einzuführen und unsere Energiequellen kollektiv zu verwalten.

GERECHT

Die kommenden Generationen werden von den Folgen der globalen Erwärmung besonders stark betroffen sein. Wir können nur eine gemeinsame Zukunft entwerfen, wenn wir intersektionale Formen von Diskriminierung anerkennen, die die Ausbeutung von Arbeitskraft und Ressourcen bestimmen. Feministische, junge Stimmen und die Stimmen von historisch unterdrückten Gruppen müssen die Richtung des gesellschaftlichen Umbaus vorgeben.

SELBSTKRITISCH

Als Gesellschaften müssen wir den Umbauprozess kritisch und selbstreflektiert begleiten und unsere Pläne dort anpassen, wo wir aus humanitären und umweltbezogenen Gründen eine Notwendigkeit dafür sehen.

 

Nutzen und Teilen!

Klimakarte von Birte Keller, Elis Soldatelli, Jan-David Echterhoff, Katja Voigt und Nadja Dorschner. Design von Zoff Kollektiv und Illustrationen von Riikkaa Laasko. Online Redaktion von Pia Monroy Rodriguez. Die Karte entstand in Zusammenarbeit mit den Auslandsbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Dieser Beitrag wird unter den Bedingungen der Creative Commons Lizenz CC veröffentlicht. Etwaige Quellen der Bilder müssen genannt werden, falls diese auch hier im Beitrag genannt werden. Teile, nutze oder adaptiere diesen Beitrag für deine Bildungsarbeit. Vergiss nicht, es weiter unter den gleichen Bedingungen zu veröffentlichen und dabei LINX und die Autor*innen zu erwähnen.

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