Die Klimakrise gefährdet die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen – vor allem von Menschen im Globalen Süden, obwohl diese am wenigsten zur globalen Erwärmung beigetragen haben. Um die Klima- und Nahrungsmittelkrise zu überwinden braucht es einen radikalen gesellschaftlichen Umbau. Doch wie kann man ein System überwinden, das so tief in unser Leben eingeschrieben ist? Es prägt die Art, wie wir denken, es steckt in unserem Essen, in den Straßen, auf denen wie gehen, aber auch in den vermeintlichen Antworten auf die Krise. Denn wenn es um Klimaschutz und Nahrungsmittelsicherheit geht, werden zu oft Scheinlösungen vorgeschlagen, die mehr den Unternehmen und Ländern des Globalen Nordens dienen, als wirklich zur Lösung der Krisen beizutragen. Dieser Beitrag zeigt Beispiele für Scheinlösungen auf die Krisen, aber auch für echte Lösungen, die zeigen welche Art gesellschaftlichen Umbaus es braucht und wie er funktionieren kann.
FOSSILES ERBE
Viele Maßnahmen gegen die Klima- und Nahrungsmittelkrise schreiben koloniale Abhängigkeiten und kapitalistische Logiken fort. Auch beim Abbau von Mineralien für erneuerbare Energien werden Machtungleichheiten reproduziert. Den betroffenen Gemeinschaften im Globalen Süden wird das Recht vorenthalten, über ihre eigenen Ressourcen und ein angemessenes Entwicklungsmodell zu entscheiden. Gesellschaften im Globalen Norden dagegen können ihre schädlichen Lebens- und Produktionsweisen aufrechterhalten.
REALITÄT VOR ORT
Statt eine bessere Zukunft zu ermöglichen, gehen viele Scheinlösungen mit Menschenrechtsverletzung, Umweltverschmutzung, Gesundheitsgefährdung, Vertreibung und der Kriminalisierung lokaler Lebensweisen einher. Die sozialen und ökologischen Kosten des Umbaus, die mit dem Abbau von Ressourcen, dem Einsatz von Pestiziden oder Wasserprivatisierung verbunden sind, tragen vor allem lokale und benachteiligte Gruppen, während die Gewinne meist an internationale Konzerne gehen.
DASSELBE IN GRÜN
Aus Krisen Profit zu schlagen und dies als grüne Lösung zu verkaufen, ist ein neuer Trick des kapitalistischen Systems. Während neue grüne Wachstumsmärkte entstehen, kommen die ökologischen Kipppunkte näher und näher. Umstrittene Technologien, riskante Energieprojekte wie Atomkraft oder exklusive individuelle Lösungen (z.B. Elektro-SUVs) sind nur Augenwischerei. Sie lenken uns von gerechteren und nachhaltigeren Lösungen ab, die wir brauchen, um die Klima und Nahrungsmittelkrise zu bekämpfen.
Mehr zum Zusammenhang von Kapitalismus, Klimakrise und grünen Scheinlösungen hier: Kann grüner Kapitalismus die Klimakrise aufhalten?
KOLLEKTIV
Die Macht über Ressourcen muss neu verteilt werden und darf nicht länger nur den Interessen einiger weniger dienen. Entscheidungen über Ressourcenverteilung müssen in öffentlicher Hand liegen und im Einklang mit demokratischen Prinzipien und den planetaren Grenzen erfolgen. Gemeinschaftliche Entscheidungsmacht fördert gute Arbeitsbedingungen, die Sichtbarkeit von Sorgearbeit und einen selbstbestimmten Umgang mit Ressourcen und Produktionsmitteln.
INTERNATIONALISTISCH
Wir müssen von Kolonialismus und Kapitalismus hervor gebrachte historische Ungerechtigkeiten überwinden und durchsetzen, dass Diejenigen, die die Verantwortung für Umweltzerstörung und ungleiche Entwicklung tragen, zur Rechenschaft gezogen werden. Das kann bedeuten, Staaten und Bevölkerungsgruppen Schulden zu erlassen, soziale und umweltbezogene Ungerechtigkeiten vor Gericht zu bringen und sich gegen unfaire Handelsabkommen zu wehren.
ÖKOLOGISCH
Wir müssen dringend Maßnahmen ergreifen, um das Überleben der Menschen auf der Erde zu sichern. Es ist höchste Zeit, die Nahrungsmittelproduktion auf ökologische Methoden umzustellen, Biodiversität zu schützen, unsere Industrie sozial und ökologisch gerecht umzubauen, neue Mobilitätskonzepte einzuführen und unsere Energiequellen kollektiv zu verwalten.
GERECHT
Die kommenden Generationen werden von den Folgen der globalen Erwärmung besonders stark betroffen sein. Wir können nur eine gemeinsame Zukunft entwerfen, wenn wir intersektionale Formen von Diskriminierung anerkennen, die die Ausbeutung von Arbeitskraft und Ressourcen bestimmen. Feministische, junge Stimmen und die Stimmen von historisch unterdrückten Gruppen müssen die Richtung des gesellschaftlichen Umbaus vorgeben.
SELBSTKRITISCH
Als Gesellschaften müssen wir den Umbauprozess kritisch und selbstreflektiert begleiten und unsere Pläne dort anpassen, wo wir aus humanitären und umweltbezogenen Gründen eine Notwendigkeit dafür sehen.
Klimakarte von Birte Keller, Elis Soldatelli, Jan-David Echterhoff, Katja Voigt und Nadja Dorschner. Design von Zoff Kollektiv und Illustrationen von Riikkaa Laasko. Online Redaktion von Pia Monroy Rodriguez. Die Karte entstand in Zusammenarbeit mit den Auslandsbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Dieser Beitrag wird unter den Bedingungen der Creative Commons Lizenz CC veröffentlicht. Etwaige Quellen der Bilder müssen genannt werden, falls diese auch hier im Beitrag genannt werden. Teile, nutze oder adaptiere diesen Beitrag für deine Bildungsarbeit. Vergiss nicht, es weiter unter den gleichen Bedingungen zu veröffentlichen und dabei LINX und die Autor*innen zu erwähnen.
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