Oft werden soziale und ökologische Themen in einem Konflikt gesehen. „Wer eine warme Wohnung mit guter Dämmung, neuen Fenstern und einer klimagerechten Heizung haben möchte, muss dafür auch viel zahlen“ – ein Argument, das besonders auf Seite der Vermietenden wiederholt wird. Dabei gibt es Wege, die Klima- und Sozialpolitik zusammenzubringen und bezahlbaren und warmen Wohnraum zu schaffen.
Die Klimakrise spitzt sich zu: 2024 wurde zum ersten Mal der globale Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius überschritten. Die Folgen sind jetzt schon extreme Wetterereignisse. Im Pariser Klimaabkommen haben sich viele Länder auf eine drastische Reduktion ihrer Treibhausgase geeinigt.
In Deutschland ist der Gebäudesektor für mehr als ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Besonders der Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser macht fast 40 % des Gesamtenergieverbrauchs aus. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir den Energieverbrauch senken und auf erneuerbare Energien umstellen – besonders in der Wärmeversorgung. Die Wärmewende ist dabei ein wichtiger Bestandteil der Energiewende, die vor allem durch große, systemische Veränderungen in der Politik vorangetrieben werden muss.
Diese Debatte zeigt, wie eng soziale und ökologische Fragen verbunden sind.
Die Mieten müssen um jeden Preis günstig bleiben! Dafür sind Mieter*innen vor jeder Mieterhöhung zu schützen. Durch die Umlage von bestimmten Reparaturkosten auf Mieter*innen bedeutet die energetische Anpassung von Wohnungen derzeit immer eine Mieterhöhung und ist deshalb abzulehnen.Aktuell dürfen Vermieter*innen bis zu 8 % der Sanierungskosten dauerhaft auf die Miete aufschlagen – selbst dann, wenn die Investition längst abbezahlt ist. Dieser Prozess heisst Modernisierungsumlage und verschärft die Wohnkostenkrise im bereits angespannten Wohnungssektor weiter.
Um unsere Klimaziele zu erreichen brauchen wir eine starke Reduktion von Emissionen. Dort wo sie entstehen, müssen sie auch verringert werden. Dazu gehören auch Maßnahmen im Gebäudesektor wie energetische Sanierungen. Durch eine bessere Regulierung lässt sich dies auch finanzieren ohne Mieter*innen zu belasten.
Für eine sozial gerechte Wärmewende braucht es klare politische Vorgaben.Ein möglicher Weg ist das Drittelmodell:Es sieht vor, die Kosten fair zwischen Vermieter*innen, Mieter*innen und öffentlicher Hand zu verteilen. Wird die Modernisierungsumlage von 8 % auf 3 % gesenkt, können Sanierungen warmmietenneutral umgesetzt werden. Dadurch sinken die Heizkosten in dem Maße, wie die Miete steigt. Gleichzeitig bleiben die Fördergelder bei den Vermieter*innen, um Investitionen in klimagerechtes Wohnen attraktiver zu machen.
Klimaschutz und bezahlbares Wohnen sind kein Widerspruch.
Warmmietenneutralität bedeutet, dass die Miete nach einer energetischen Sanierung zwar steigt, die monatlichen Heizkosten aber um denselben Betrag sinken. Dadurch bleiben die gesamten Wohnkosten für die Mieter*innen unverändert.
Eine sozial gerechte Wärmewende braucht die enge Verknüpfung von Klima- und Sozialpolitik.Die nötigen Veränderungen lassen sich nur erreichen, wenn politische Rahmenbedingungen angepasst und sozial-ökologische Fragen zusammen gedacht werden.
Ein Beitrag von Johannes Probst, Online Redaktion von Fabian Riess.Dieser Beitrag wird unter den Bedingungen der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 veröffentlicht.Teile, nutze oder adaptiere diesen Beitrag für deine Bildungsarbeit. Vergiss nicht es weiter unter den gleichen Bedingungen zu veröffentlichen und dabei LINX und die Autor*innen zu erwähnen.
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