Kriege sind auf den ersten Blick erst mal für niemanden gut oder erstrebenswert. Doch auf den zweiten Blick schon. Stichworte wie: "Rüstungsindustrie", "Macht" und "Öl" kommen manchen vielleicht in den Sinn. Sie stehen im Zusammenhang mit Wirtschaft. Dieser Beitrag beleuchtet, wer vom Krieg profitiert, wer verliert, und wirft Licht auf die oft übersehene Verstrickung von Wirtschaft und Krieg.
Rüstung ist ein sehr lukratives Geschäft. Seit dem Beginn des Ukrainekrieges 2022 sind die Aktienkurse von Rüstungsunternehmen teilweise um mehr als 800 Prozent gestiegen. Das macht Anleger*innen der Rüstungsindustrie zu Kriegsgewinner*innen. Wenn es Aktionär*innen von Rüstungsunternehmen sind, die am Ende am meisten von Krieg profitieren, aber Staaten, die Kriege führen, woher kommt dann das staatliche Interesse daran, Krieg zu führen? Die Gründe dafür sind komplex, aber einer der Faktoren ist die harte Überzeugungsarbeit, die Konzerne der Rüstungsindustrie gegenüber der Politik leisten. Sie erzählen von Bedrohungen und Sicherheitslücken, die eine Investition in neue Waffensysteme scheinbar unverzichtbar machen. Lobbyist*innen oder Interessengemeinschaften bestellen oft sogar Politiker*innen in ihre Vorstände und Präsidien, wo sie neben Industrievertreter*innen und ehemaligen Militärs sitzen. Seit 2014 haben hunderte Treffen zwischen der Europäischen Kommission und den größten EU-Rüstungsunternehmen stattgefunden und Rüstungsunternehmen werden auch, anders als NGOs oder Forscher*innen, zu Anhörungen im Parlament eingeladen und verfügen sogar über entsprechende Zugangsausweise zum Parlament. 2025 war die meistgehandelte Aktie in Deutschland vom Rüstungsunternehmen Rheinmetalls.
Philip Steeg hat die deutsche Rüstungslobby-Landschaft im Artikel „System of Systems – Wie die Lobbyarbeit der Rüstungsindustrie auf unterschiedlichen Ebenen wirkt und ineinandergreift“ (externer Link, öffnet neues Fenster) detailreich aufgeschlüsselt. Hier haben wir die Hauptakteure und ihre Funktionsweisen zusammengefasst.
Als Lobby bezeichnet man eine Interessengruppe, die politischen Einfluss nehmen möchte, als politische Lobby einen Zusammenschluss von Personen oder Organisationen (z.B. Unternehmen, Verbände), die durch Gespräche und Kontakte versuchen, Gesetzte und Entscheidungen zu beeinflussen.
Andreas Seifert stellt im Artikel “Vernetzte Waffenschmieden – Rüstungsindustrie in Deutschland” in einem Who is Who der Waffenschmieden die wichtigsten Akteure Deutschlands vor.
Gewaltsame Konflikte sind oft von Rassismus (externer Link, öffnet neues Fenster) geprägt. Das führt dazu, dass weiße Menschenleben als wertvoller wahrgenommen werden und bei Tod oder Verletzung mehr Empathie und Aufmerksamkeit erfahren als nicht-weiße Menschen. Das wurde zum Beispiel an der Fluchtbewegung aus der Ukraine sichtbar, wo BIPoC teilweise an der EU-Grenze zurückgewiesen wurden. So kann Rassismus zum Beispiel zu einer größeren Gleichgültigkeit oder sogar Akzeptanz in der Bevölkerung für Kriegshandlungen gegenüber BIPoC führen. Wie zum Beispiel in den bewaffneten Konflikten, die im Globalen Süden ausgetragen werden und deren Opfer vor allem BIPoC-Personen sind. Ein Beispiel ist die Beurteilung der Kriegsverbrechen Israels im Gazastreifen und damit einhergehend die Akzeptanz der Waffenlieferungen Deutschlands nach Israel. Hier spielt antimuslimischer Rassismus eine wichtige Rolle, der historisch auch eine wichtige Rechtfertigung im “War against Terror” der USA im Irak und in Afghanistan lieferte. Die Regierungen brauchen diese Akzeptanz, um die Unterstützung zur Kriegsführung innerhalb der Bevölkerung nicht zu verlieren.
Das Austragen bewaffneter Konflikte von Großmächten im Globalen Süden führt auch dazu, dass die Staaten des globalen Nordens insgesamt weniger Opfer zu verzeichnen haben, obwohl sie häufig an Konflikten beteiligt sind und damit eigene Interessen verfolgen. Dadurch geschieht ein Teil der Umverteilung von Macht, Herrschaft und Besitz durch Kriege auch auf der Achse des Rassismus.
Die europäische und globale Wirtschaft wird immer mehr zu einer Kriegswirtschaft. Das geht mit einer generellen Militarisierung der Gesellschaft einher. Kriege zerstören Menschenleben und Umwelt und werden von niemandem gutgeheißen. Und doch gibt es “Kriegsgewinner*innen”. Die Rüstungsindustrie, die durch Lobbyismus und Kriegstreiberei Gewinne erzielt, oder andere Industrien, die durch Kriege Zugang zu Rohstoffen und billigen Arbeitsplätzen erhalten. Staaten des Globalen Nordens, in denen sich diese Industrien meist befinden, gehen dabei als “Gewinner*innen” gegenüber dem Globalen Süden hervor.
Beitrag & Online Redaktion von Pia Monroy Rodriguez. Dieser Beitrag wird unter den Bedingungen der Creative Commons Lizenz CC veröffentlicht. Etwaige Quellen der Bilder müssen genannt werden, falls diese auch hier im Beitrag genannt werden.Teile, nutze oder adaptiere diesen Beitrag für deine Bildungsarbeit. Vergiss nicht, es weiter unter den gleichen Bedingungen zu veröffentlichen und dabei LINX und die Autor*innen zu erwähnen.
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