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Juni
2022

Der Konzernatlas

Die Macht der Lebensmittelindustrie ist auf immer weniger Unternehmen verteilt. Dieser Konzernatlas gibt einen Überblick über die wichtigsten Beteiligten und ihre Geschäftsstrategien, über die verschiedenen Formen von Konzernmacht und denjenigen, die sich dagegen wehren und diese Machtstellung kritisieren.

Kampf der Konzerne

Im Supermarkt hat man die Qual der Wahl – oder doch nicht? Die Statistik spricht für sich: Vier Unternehmensgruppen teilen 90% des deutschen Lebensmitteleinzelhandels unter sich auf und 60 % des kommerziell gehandelten Saatguts werden von nur drei Konzernen geliefert! Über die Hälfte aller Landmaschinen weltweit kommen von nur vier großen Herstellern. Was passiert da eigentlich genau?

Vier Agrarkonzerne beherrschen den Weltmarkt

Vier Konzerne dominieren den Im- und Export solcher Agrarrohstoffe: Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill und die Louis Dreyfus Company. Gemeinsam sind sie als „ABCD-Gruppe“ oder einfach „ABCD“ bekannt. Archer Daniels Midland (wiederum ADM abgekürzt), Bunge und Cargill sind US-Unternehmen, Louis Dreyfus hat seinen Sitz in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam. Alle vier wurden zwischen 1818 und 1902 gegründet, und von ADM abgesehen, stehen sie bis heute unter dem Einfluss ihrer Gründerfamilien. Sie handeln und transportieren, und sie verarbeiten auch viele Rohstoffe. Die Konzerne besitzen Hochseeschiffe, Häfen, Eisenbahnen, Raffinerien, Silos, Ölmühlen und Fabriken. Ihr Weltmarktanteil liegt bei 70 Prozent. Cargill ist die Nummer eins, gefolgt von ADM, Dreyfus und Bunge.

Die industrielle Landwirtschaft kann die Welt nicht ernähren

Der Hunger wurde nicht beseitigt. Es gibt immer noch fast 800 Millionen unterernährte Menschen auf der Welt. Das Problem hängt mit der ungleichen Verteilung von Nahrungsmitteln zusammen. Industrielle Nahrungsmittelsysteme haben solche Ungleichheiten bislang eher verschärft als gelöst. Unabhängige, meist kleinbäuerliche Produzentinnen und Produzenten sowie in der Landwirtschaft abhängig Beschäftigte machen heute mehr als die Hälfte aller Hungernden aus. Eine Schlüsselfrage ist deshalb nicht, wie die Produktion zu steigern ist, sondern wie die Lebensverhältnisse der Ärmsten, auch durch die Landwirtschaft, verbessert werden können, sodass sie Zugang zu Einkommen und angemessener Ernährung haben.

Es gibt Alternativen: Agrarökologie und Solidarische Landwirtschaft

Weltweit gibt es eine Vielzahl von Pionierinnen und Pionieren, die an sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Ernährungssystemen basteln. Schritt für Schritt bringen sie die Ernährungs- und Agrarwende voran. Mit dem Konzept der Agrarökologie haben Bauern und Bäuerinnen sowie soziale Bewegungen weltweit einen Gegenentwurf zur industriellen Landwirtschaft geschaffen. Sowohl wissenschaftliche Akteure, zivilgesellschaftliche Organisationen als auch die Vereinten Nationen und Regierungen greifen das Konzept auf. Doch der Sprung in den Mainstream steht noch aus.

Analyse und Perspektiven zum kapitalistischen Lebensmittelsystem

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Der KONZERNATLAS 2017 ist ein Kooperationsprojekt von Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Oxfam Deutschland, Germanwatch und Le Monde diplomatique.

Nutzen und Weitergeben!

Dieser Atlas steht unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung –
4.0 international“ (CC BY 4.0 (externer Link, öffnet neues Fenster)).

Mit Originalbeiträgen von Christophe Alliot, Dietmar Bartz, Reinhild Benning, Christine Chemnitz, Jennifer Clapp, Olivier De Schutter, Roman Herre, Saskia Hirtz, Emile Frison, Meera Karunananthan, Peter Kreysler, Benjamin Luig, Sylvian Ly, Heike Moldenhauer, Sophia Murphy, Christine Pohl, Christian Rehmer, Christoph Then, Jim Thomas, Jan Urhahn, Katrin Wenz, John Wilkinson

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