Immer wieder nutzen Regierungen Feminismus, um Kriege zu legitimieren. Bewaffnete Konflikte, Kriege und Militärkultur ganz allgemein fördern tödliche Gewalt, um wirtschaftliche und geopolitische Interessen durchzusetzen. Wenn Feminismus ein Ende von patriarchaler Gewalt fordert, muss Feminismus antimilitaristisch gedacht werden.
Wir schauen uns in diesem Beitrag an, wie sich Sexismus innerhalb der Bundeswehr zeigt und was soldatische "Männlichkeit", die das Militär erschafft, ausmacht. Wir gehen der Frage nach, wo Frauen in der Bundeswehr eigentlich tätig sind und wie mit mutmaßlich feministischen Begründungen Krieg und eine militarisierte Außenpolitik gerechtfertigt werden. Wir werfen einen Blick auf sexualisierte Gewalt und auf Prostitution, die Militärstrukturen und Kriege mit sich bringen. Schließlich erinnern wir an den historischen Internationalen Frauenfriedenskongress 1915, der für einen friedlicheren Ausblick heute noch aufschlussreich ist.
Sexualisierte Gewalt, Sexismus und Diskriminierung von Frauen in der Bundeswehr ist ein beachtliches Problem. Auch wenn sich die Bundeswehr gern als „bunte Truppe“ zeigt, so ist Diskriminierung gegen Frauen in der Bundeswehr etwa dreimal höher als auf dem zivilen Arbeitsmarkt in Deutschland. Das geht aus der für die Bundeswehr erstellten Studie „Bunt in der Bundeswehr – Ein Barometer zur Vielfalt“ aus dem Jahr 2020 vor. So gaben mehr als 21% der befragten Soldatinnen an, innerhalb der letzten zwei Jahre als Frau diskriminiert worden zu sein, also mehr als jede fünfte Bundeswehrsoldatin. Soldatinnen berichten auch von sexualisierten Übergriffen und Gewalt in der Bundeswehr – und dass die Täter immer wieder auch von Vorgesetzten gedeckt werden, während Nachteile für die Frauen entstehen, die solche Übergriffe melden. Allein im Jahr 2025 gab es 430 Erstmeldungen in der Bundeswehr über Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung, d.h. mehr als eine Meldung täglich über ungewollte sexuelle Handlungen. Überwiegend betroffen waren Frauen und Untergebende niedriger Ränge. Die Zahl der nicht gemeldeten Vorfälle sexualisierter Gewalt liegt um ein vielfaches höher. Ein genaueres Bild dieses Dunkelfelds soll eine vom Bundesverteidigungsministerium in Auftrag gegebene Studie zeigen, die Ergebnisse sollen Ende 2026 erscheinen.
Im Jahr 1915, während des Ersten Weltkrieges, kamen mehr als tausend Frauen aus zwölf Staaten in Den Haag für den Internationalen Frauenkongress zusammen. Gemeinsam bewiesen sie, dass sich Frauen in Zeiten von Kriegseuphorie und Nationalismus solidarisieren können und ihre Stimme für den Frieden erheben können, auch wenn sie ausgelacht und verunglimpft wurden. Ihre Erfahrungen sind ermutigend und zeigen, dass es viel Geduld und Standhaftigkeit braucht, um in Kriegszeiten für den Frieden einzustehen. In ihrer Erklärung schrieben sie: „Wir Frauen protestieren [...] gegen den Wahnsinn und die Gräuel des Krieges, der nutzlos Menschenopfer fordert und vielhundertjährige Kulturarbeit der Menschheit zerstört.“
Grundsätzlich kann ein Staat wie Deutschland, der militärische und wirtschaftliche Kontrolle über andere Staaten nutzt, um sich zu bereichern, keine feministische Außenpolitik betreiben. Es reicht nicht, Frauen und marginalisierte Gruppen in die militärischen Strukturen zu integrieren oder gar an deren Spitze zu stellen - stattdessen müssten die Strukturen, die militärische Gewalt für ihren wirtschaftlichen Profit ausüben, wie z.B. die NATO oder die Bundeswehr, abgerüstet werden.Es braucht eine internationale Friedensordnung, die dazu geeignet ist, eine Abrüstungsdynamik in Gang zu setzen, Konflikte frühzeitig zu entschärfen, für alle Seiten tragfähige Kompromisse zu entwickeln unddamit Kriege generell zu verhindern.
Beitrag von Jacqueline Andres. Online Redaktion von Fabian Riess. Dieser Beitrag wird unter den Bedingungen der Creative Commons Lizenz CC veröffentlicht. Etwaige Quellen der Bilder müssen genannt werden, falls diese auch hier im Beitrag genannt werden.Teile, nutze oder adaptiere diesen Beitrag für deine Bildungsarbeit. Vergiss nicht, es weiter unter den gleichen Bedingungen zu veröffentlichen und dabei LINX und die Autor*innen zu erwähnen.
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